Samstag, 18. März 2017

Kleiner Bericht vom Westfälischen Genealogentag 2017

Was macht man an einem regnerischen Vorfrühlingstag? Ganz einfach: Man setzt sich morgens um kurz vor neun ins Auto und fährt nach Altenberge, zum inzwischen 7. Westfälischen Genealogentag. 

Für mich war es inzwischen der dritte, und ich kann jetzt schon sagen, dass ich 2019 auch wieder dabei sein werde, wenn mir das Leben nicht dazwischen kommt.

Ich parkte also wieder in derselben Anliegerstraße wie beim letzten Mal (die Parkgewohnheiten der Familienforscher und die damit zusammenhängenden Parkplatzprobleme haben sich in den letzten beiden Jahren nicht wesentlich verbessert) und begann den Genealogentag mit einem kleinen Rundgang durch die Halle. Fast hätte ich mich dort schon festgequatscht - inzwischen kennt man sich ja untereinander, und da laufen einem halt auch schon um zwanzig nach 9 die ersten bekannten Menschen über den Weg -, aber ich habe es gerade noch vermeiden können und war dementsprechend punktgenau um 9.29 Uhr nebenan in der Ludgeri-Schule zum ersten Vortrag des Tages: Gerd Dethlefs sprach zum Thema "Währungsreformen - Geld und Geldwert im 18. und 19. Jahrhundert".

Das ist ein Thema, das bei mir immer mal wieder am Rande vorkommt und in dem ich ehrlich gesagt nicht sonderlich belesen bin. Inzwischen bin ich aber ein bisschen schlauer als vorher; insoweit hat sich der Vortrag für mich also definitiv gelohnt. Nur schwirrte mir hinterher der Kopf von den ganzen Umrechnungen in Taler, Mariengroschen, Mark, Heller und Pfennig und die ganzen anderen Währungseinheiten, von denen wir heute eigentlich schon beinahe vergessen haben, dass es sie überhaupt mal gab. Was für ein Kuddelmuddel! Ich kam aus dem Vortrag heraus und schwor mir, nie wieder über den Euro zu lästern - uns ist gar nicht klar, wie sehr er die Dinge im Alltag vereinfacht...

Danach nahm ich mir Zeit für eine größere Runde durch die Sporthalle. Meine Umhängetasche füllte sich langsam aber sicher mit Literatur (selbst schuld, wer kein Bargeld mitnimmt, denn irgendwas findet man immer) und Giveaways in Form von Broschüren, Postkarten, Lesezeichen, Kugelschreibern und vor allem Bleistiften. Von letzteren kann man ja in bestimmten Archiven nie genug dabei haben.

Aber eigentlich fährt man ja nicht deswegen zum Genealogentag, sondern um lauter nette Menschen zu treffen, die genauso bescheuert sind wie man selbst, weil man sich stundenlang über tote Verwandte unterhalten kann, ohne dass es langweilig wird. Und am besten geht das natürlich bei einem Pott Kaffee (und in meinem Fall auch bei einem Stück Kirschkuchen) in der Cafeteria. Außerdem ist man froh, wenn man die inzwischen ziemlich schwere Tasche auch mal absetzen kann...

Eigentlich hatte ich ja vor, mich dann wieder zu meinem Auto und auf direktem Wege wieder nach Hause zu begeben, aber dann habe ich mich doch noch ganz spontan umentschieden und mir den Vortrag von Marcus Weidner über die Digitale Westfälische Urkundendatenbank (DWUD) angehört. Es passte vom Zeitpunkt her einfach zu gut! Ich fürchte, ich werde in der nächsten Zeit so einige Stunden online beim LWL verbringen - mal gucken, welche Zufallsfunde da noch auf mich warten!
Blöd war nur, dass ich - obwohl ich ja sehr am Thema interessiert war -, die letzten 20 Minuten gegen das Einschlafen kämpfen musste. Das lag aber weder am Vortrag noch am Vortragenden, sondern wohl eher an der sich nach dem Stück Kuchen einstellenden Trägheit und der inzwischen ziemlich stickigen Luft im Vortragsraum. Ich hätte wohl noch einen Kaffee mehr trinken sollen.

Dann war der Genealogentag für mich aber tatsächlich zu Ende. Bis zum nächsten Mal in Altenberge!






Donnerstag, 2. März 2017

Der schlimmste Eintrag in meinem Stammbaum

Normalerweise freut man sich ja über jeden Eintrag im Stammbaum. Heute ist das bei mir anders.

Am letzten Donnerstag, also heute vor einer Woche, ist mein Vater gestorben. Gestern haben wir ihn beerdigt. Vor diesem Eintrag im Stammbaum hatte ich seit sieben Monaten Angst. Und nun sehe ich ihn da stehen und denke, "Das kann doch überhaupt gar nicht wahr sein", obwohl ich ja dabei war. Keine weitere Primärquelle notwendig, jedenfalls nicht für mich.

Ohne jetzt hier ins Detail gehen zu wollen: Die letzten Wochen waren nicht einfach, für keinen von uns. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass ich nicht wirklich den Kopf frei hatte zum Ahnenforschen, geschweige denn zum Bloggen. 

Seht's mir nach.

Im Moment bin ich in so einer Phase, in der ich mit Verwunderung registriere, dass sich die Welt trotzdem weiterdreht. Gesackt ist das alles noch längst nicht.

Trotzdem - es muss irgendwie weitergehen. Und es wird auch weitergehen. Auch hier im Blog. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie schnell ich wieder in meinen Turnus komme. Aber andererseits kann Ahnenforschung vielleicht auch eine schöne Ablenkung sein...?


Freitag, 27. Januar 2017

Termine für Familienforscher - Februar 2017

Für alle diejenigen, bei denen der Februar nicht nur aus dem Valentinstag besteht.. ;-) 

04.02.17, 14.00 Uhr
Arbeitsgruppe Familienforschung Kreis Herford
Roland Linde: "Von Hiddenhausen bis Hiddentrup: Mittelalterliche Ortsnamen und Genealogie" 
Rabeneck-Haus, Neuer Weg 3, 32120 Hiddenhausen 

08.02.17, 16.30 Uhr
WGGF
Katharina Stütz: "Amateurfilme als historische Quelle. Mit der Kamera zwischen Feld und Schützenfest" 
LWL-Archivamt für Westfalen, Jahnstr. 26, 48147 Münster

18.02.17, 14.00 Uhr
OSFA Osnabrück
Dr. Daniel Lau: "Ausgrabungen an der Großen Rosenstraße in Osnabrück" 
Landhaus Mehring, Iburger Str. 42, 49082 Osnabrück

VIEL SPASS!

Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Sache mit der Beschneidung...

... betrifft mich jetzt zwar nicht direkt, interessiert mich aus irgendeinem Grunde aber trotzdem. Das ist wahrscheinlich die Eigenschaft, die man bei allen Forschern in überproportionalem Maße findet - Neugier. 

Als ich die Judenregister von Werther bzw. aus dem Altkreis Halle durchguckte, fiel mir auf, dass bis 1846 in den allermeisten Fällen nicht nur das Datum der Beschneidung (Brit Mila) genannt wurde, sondern auch derjenige, der dieses Ritual durchgeführt hat. In der Zeit von 1815 bis 1821, als Pastor Gieseler das Register geführt hat, erwähnt er zwar nur in einem einzigen Fall, wer die Beschneidung vorgenommen hatte ("Rabbi Moses"), aber danach, im kreisweiten Register, steht es bei jedem Jungen explizit dabei.

Und ich frage mich, was diese Information überhaupt in behördlichen Akten zu suchen hatte. Ist ja schließlich ein religiöser und kein staatlicher Akt.

Trotzdem: Wenn man diese Informationen schon mal hat, dann kann man sie ja auch nutzen. Ich habe sie also mit in Werthers Gedächtnis eingearbeitet. Der Vollständigkeit halber. Die Taufdaten der anderen Kinder habe ich ja auch erfasst.

Und weil ich gerade schon einmal dabei war, habe ich mir auch noch eine Liste der "Beschneider" angelegt. Der Grund dafür war eigentlich, dass mir der Name "Selig Werthauer" so oft aufgefallen war - und ja, bei 22 von 46 Beschneidungen, bei denen der Name des Mohel (das ist der terminus technicus) aufgeführt ist, war es Selig Werthauer, der die Prozedur durchführte:

Name Ort Anzahl Jahre
Arensberg, Julius Lage 1 1839
Baumann, Peritz Oerlinghausen, später Spenge 2 1840-1845
Boas, Bendix Lübbecke 2 1825-1830
Boas, Michel Lübbecke 1 1826
"Rabbi Moses"

1 1818
Paradies, Abraham Lage 2 1825-1827
Paradies, Isaac Lage, ab 1827 Oerlinghausen 5 1824-1831
Paradies, Samson Oerlinghausen 4 1832-1844
Posener, Joachim Bielefeld 3 1830-1846
Weinberg, Abraham Aron Westernkotten 5 1815-1828
Werthauer, Selig Herford 22 1824-1846

Selig Werthauer dürfte also ein ziemlich beschäftigter Mann gewesen sein, denn wenn ich mir die Register so angucke, dann war er nicht nur in Werther aktiv. (Und ich nehme mal an, dass die drei Herren Paradies miteinander verwandt waren.)

Soweit ich weiß, durfte ein Mohel für seine Tätigkeit als solche kein Geld annehmen, sondern nur Spesen für seine Aufwendungen. Was mich im übrigen auch zu der Frage bringt, wie vor allem Herr Werthauer seine Logistik bewältigt hat.

Ein Neugeborener musste am Abend seines 8. Tages beschnitten werden (es sei denn, das Kind war zu schwach), also war es wichtig, dass der Mohel genau dann an Ort und Stelle war. Wie genau kriegte man das hin, vor allem, wenn ein Kind ein paar Tage früher auf die Welt kam als gedacht? Heute braucht man mit dem Auto eine knappe halbe Stunde für den Weg von Herford nach Werther, aber damals war das im Grunde eine Tagesfahrt. Sagte man vorher Bescheid, so in dem Sinne, "Meine Frau bekommt wahrscheinlich in den nächsten Tagen ein Kind, und falls es ein Junge wird, hätten wir Sie gerne als Mohel bei der Brit Mila dabei..."? 

Und überhaupt - wie wurde die Brit Mila gehandhabt? Ich meine jetzt nicht zwingend den Schnitt an sich, aber in welchem Raum wurde sie durchgeführt? Wieviele Leute waren dabei? Wer war dabei? Wurde gefeiert, und wenn ja, wie? Was passierte, wenn sich die Wunde entzündete - ging man dann zum - evangelischen - Doktor?

Falls jemand Ahnung von diesen Dingen hat: Hinterlassen Sie mir einen Kommentar - ich bin neugierig!


Sonntag, 8. Januar 2017

Die Geburten in der Stadt Werther von 1815 bis 1846

Wenn ich schon einmal dabei bin, die jüdischen Wertheraner in Werthers Gedächtnis einzutragen, dann ist das eine schöne Gelegenheit, auch mal ein bisschen Statistik zu betreiben. Da bietet es sich doch an, mit den Geburten anzufangen...

Zwischen 1815 und 1846 wurden in Werther insgesamt 104 jüdische Kinder geboren. Es ist irgendwie schön, die Statistik genau aufgehen zu sehen, denn es sind genau 52 Jungen und 52 Mädchen:

Jahr Jungen Mädchen gesamt
1815
1
1
2
1816
0
1
1
1817
1
2
3
1818
1
2
3
1819
0
2
2
1820
1
3
4
1821
0
0
0
1822
2
0
2
1823
0
1
1
1824
3
5
8
1825
4
0
4
1826
3
3
6
1827
4
3
7
1828
2
0
2
1829
2
2
4
1830
2
2
4
1831
1
0
1
1832
3
0
3
1833
1
3
4
1834
3
1
4
1835
2
3
5
1836
2
2
4
1837
1
2
3
1838
1
0
1
1839
3
3
6
1840
1
2
3
1841
2
1
3
1842
1
4
5
1843
0
0
0
1844
2
2
4
1845
1
2
3
1846
2
0
2


52
52
104

Alle jüdischen Familien, die in dieser Zeit Zuwachs bekommen haben, lebten in der Wertheraner Innenstadt. Ich konnte keine Familie in den Landgemeinden finden, obwohl es zum Beispiel auch Viehhändler gab und man einen solchen ja durchaus auch nicht zwingend mitten in der Stadt vermuten müsste. Aber weil man sich in der Stadtgemeinde "knubbelte", erschien es mir sinnvoll, doch mal zu gucken, wie viele evangelische Kinder denn in demselben Zeitraum dort geboren worden sind:

Jahr Jungen Mädchen gesamt
1815
34
20
54
1816
28
27
55
1817
28
20
48
1818
20
25
45
1819
34
35
69
1820
31
26
57
1821
35
38
73
1822
27
32
59
1823
33
37
70
1824
40
27
67
1825
32
35
67
1826
39
27
66
1827
29
31
60
1828
39
26
65
1829
24
37
61
1830
29
29
58
1831
23
21
44
1832
30
29
59
1833
39
39
78
1834
41
32
73
1835
34
33
77
1836
36
45
81
1837
36
37
73
1838
35
38
73
1839
40
38
78
1840
40
38
78
1841
45
39
84
1842
41
41
82
1843
38
28
66
1844
30
37
67
1845
38
35
73
1846
42
31
73


1.100
1.033
2.133

2.133 zu 104. Grob gesprochen kann man also sagen, dass ungefähr 20 Mal soviele evangelische wie jüdische Babies geboren wurden, selbst wenn man dabei berücksichtigt, dass in den evangelischen Statistiken auch Totgeburten enthalten sind, die ich in den Judenregistern (ein fürchterliches Wort, oder?) nicht gefunden habe. Wenn man die Landgemeinden noch mit dazu nimmt, dann kann man wahrscheinlich noch einmal ungefähr 4.500 evangelische Kinder in diesem Zeitraum dazurechnen (da muss ich wohl noch ein bisschen Statistik betreiben, um diese Zahl zu verifizieren).

Schade, dass ich keine katholischen Zahlen habe, die ich der Vollständigkeit halber dagegen halten kann, aber ich schaffe es eben nicht so oft nach Paderborn ins Erzbistumsarchiv, und wenn, dann gucke ich eher nach meinen eigenen katholischen Linien. Wenn die A33 endlich mal fertig gebaut ist, wird sich das aber vielleicht ändern...

Jedenfalls kann man sich ungefähr vorstellen, wie sehr sich diese paar Familien in der Minderheit gefühlt haben müssen... aber schlug sich das im alltäglichen Leben auch nieder, und wenn ja, wie? Gut, man ging in die Synagoge, während die anderen in die Kirche gingen (wenn sie es denn taten), aber ansonsten? Man gab den Kindern traditionell andere Namen (ich habe, wie man sich denken kann, keine jüdische Ilsabein gefunden und keinen evangelischen Moses), und die Jungs wurden kurz nach ihrer Geburt eben beschnitten. Für den alltäglichen Umgang miteinander scheint mir vor allem letzteres doch ziemlich irrelevant.

Was waren also die anderen Unterschiede, und was waren die Gemeinsamkeiten? Das ist das, was mich interessiert.

Samstag, 7. Januar 2017

Die westfälischen Juden- und Dissidentenregister von 1808 bis 1874

Von vielen Familienforschern unbemerkt hat das unbemerkt hat das Landesarchiv NRW inzwischen sämtliche Juden- und Dissidentenregister aus den Jahren 1808 bis 1874 online gestellt. Und das auch noch gratis! Da muss man doch mal "danke" sagen.

Man klicke einfach auf den gewünschten Ort, dann dort auf das Kamerasymbol, und schwupp - man hat die Register innerhalb ein von nur ein paar Sekunden auf dem Bildschirm.

Eine kleine Tücke hat die Sache allerdings doch: Wie zum Beispiel für Werther findet man die meisten Register nicht unbedingt in der Stadt, in der man eigentlich sucht - dann muss man sich mal in der nächsten Kreisstadt umgucken (Werther gehörte damals ja zum Kreis Halle, der 1973 aufgelöst wurde - also findet man die Register unter Halle).  Oft lohnte es sich eben nicht, für jede Kleinstadt eigene Register anzulegen...

Meinen Nachmittag habe ich dann auch damit verbracht, die jüdischen Geburten von 1815 bis 1846 in "Werthers Gedächtnis" einzutragen. Da sind die Register wirklich wunderbar zu lesen - nur diese ganzen Patronyme machen mich rammdösig...

Freitag, 6. Januar 2017

Termine für Familienforscher - Januar 2017


Das neue Jahr startet gar nicht mal so schlecht...

Mittwoch, 11. Januar 2017, 16.30 Uhr
WGGF
Nancy Myers und Georg Palmüller: "Genealogieprogramme im Vergleich" 
LWL-Archivamt für Westfalen, Jahnstr. 26, 48147 Münster

Samstag, 14. Januar 2017, 14.00 Uhr
Arbeitsgruppe Familenforschung im Kreis Herford
Genealogischer Austauschnachmittag mit Schwerpunkt Münsterkirche Herford 
Rabeneck-Haus, Neuer Weg 3, 32120 Hiddenhausen

Samstag, 21. Januar 2017, 14.00 Uhr
OSFA Osnabrück
Klemens Miehe, Vereinsmitglied aus Osnabrück, stellt seinen Stammbaum und homepage "Anverwandte" vor. 
Landhaus Mehring, Iburger Str. 240, 49082 Osnabrück